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Unterstützung ist besser als übertriebene Fürsorge

Diabetes in der Partnerschaft

Diabetes in der PartnerschaftDiabetes mellitus belastet nicht nur das Leben der von dieser Krankheit Betroffenen, sondern auch das ihrer Lebenspartner. Vor allem die Angst vor Folgeschäden und Einschränkungen beim Essen können die Beziehung zu Partnern und anderen Familienangehörigen belasten. "Sprechen Sie mit Ihrem Partner Klartext", empfiehlt deshalb Dr. Detlef Schmidt, Arzt im AOK-Bundesverband. "Das gilt für beide Seiten." Für die Patienten ist es nach Worten des Mediziners wichtig, dass sie aktiv an der Behandlung mitwirken und beispielsweise ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren. Die Unterstützung der Partnerin oder des Partners kann dem Betroffenen das Leben mit Diabetes erleichtern. Wichtig ist es allerdings, das richtige Maß zu finden.

Vor allem Typ-2-Diabetiker sollten sich nach Schmidts Empfehlung ausgewogen und bewusst ernähren und viel bewegen. So könnten sie Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung und Fußamputationen vorbeugen. Insbesondere bei Typ-1-Diabetikern könne es zudem Probleme durch eine Unterzuckerung geben. Da sowohl fehlende Anteilnahme als auch übertriebene Fürsorge der Beziehung schaden könnten, rät der AOK-Arzt: "Der Diabetiker sollte sagen, wie viel Unterstützung er sich wünscht. Der Partner sollte klarstellen, wie viel Unterstützung er zu geben bereit ist und wo seine Grenzen sind."

Informationen können helfen

Sind falsche Vorstellungen oder unbegründete Ängste der Grund für ständige Fragen nach dem Befinden und Ratschläge des Partners, kann es helfen, ihn über die Krankheit aufzuklären und zu einer Schulung mitzunehmen. "Entscheidend ist es auch, gemeinsame Interessen bewusst zu pflegen", sagt Schmidt, "dies trägt dazu bei, dass die Krankheit nicht zum Mittelpunkt des Lebens und der Beziehung wird."

Viele Angehörige von Diabetikern belastet die Angst vor einer Unterzuckerung. Gelegentliche leichte Unterzuckerungen sind für Diabetiker, die Insulin spritzen oder blutzuckersenkende Tabletten einnehmen, nichts Ungewöhnliches. Von einer Unterzuckerung spricht man, wenn der Blutzucker unter einen Wert von 50 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) fällt. Das entspricht 2,8 mmol/l. Beschwerden können aber auch schon bei höheren Werten auftreten. Auslöser dafür sind meist ausgelassene oder zu kleine Mahlzeiten sowie ein zu langer Abstand zwischen der letzten Insulinspritze und der nächsten Mahlzeit. Auch ungewohnte körperliche Anstrengung kann zur Unterzuckerung führen, ebenso wie erhöhter Alkoholkonsum. Wer zuviel Insulin spritzt, kann dadurch ebenfalls eine Unterzuckerung auslösen.

Anzeichen für eine Unterzuckerung sind Müdigkeit, mangelnde Konzentration, Herzrasen, Schweißausbrüche, Blässe, Zittern und Unruhe. Sinkt der Blutzuckerwert unter 40 mg/dl, kann dies Ausfälle der Gehirnleistung zur Folge haben. Bei schwerer Unterzuckerung leiden die Betroffenen unter Seh- und Sprachstörungen, sind häufig aggressiv oder verwirrt. Im Extremfall drohen sogar Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit.

Absprachen für den Fall der Unterzuckerung

Kommt es zu einer plötzlichen Unterzuckerung, helfen schnell zugängliche Kohlenhydrate, zum Beispiel Traubenzucker, Gummibärchen und Fruchtsäfte mit Zuckerzusatz. Diabetiker sollten sie immer bei sich tragen. "Informieren Sie Ihre Familie über solche Notfallsituationen und darüber, wie Ihnen zu helfen ist", rät AOK-Mediziner Schmidt. Das ist besonders wichtig für den Fall, dass der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu helfen. Dann sollten die Angehörigen so schnell wie möglich den Notarzt rufen. Wenn der Betroffene sie vorab eingewiesen hat, können sie auch Glucagon spritzen. Das ist ein Hormon, das der Körper auch selbst in die Blutbahn entlässt, um der Unterzuckerung entgegenzuwirken.

Wichtig ist es auch, dass die Angehörigen Stimmungsschwankungen des Patienten während einer Unterzuckerung nicht persönlich nehmen. Schmidt: "Wird der Betroffene aggressiv oder lehnt er jede Hilfe ab, ist das eine Folge des Energiemangels im Gehirn. Am besten ist es dann, ruhig zu bleiben und sich auf vorher getroffene Absprachen zu berufen." So sollten die Familienmitglieder im Vorfeld besprechen, wie sie sich bei einer Unterzuckerung verhalten sollten. Dabei sollten sie beispielsweise auch festlegen, dass der Diabeteskranke in einem solchen Fall auf keinen Fall Auto fahren darf.

Ernährungsumstellung kann für Ärger sorgen

Vor allem bei Typ-2-Diabetikern kann auch die vom Arzt empfohlene Ernährungsumstellung für Ärger sorgen. Um das zu vermeiden, sollten Diabetiker nicht darauf bestehen, dass künftig nur noch Obst, Gemüse und fettarme Produkte auf den Tisch kommen. Andererseits sollten die Angehörigen dem Betroffenen ab und zu ruhig mal etwas Süßes gönnen. "Gegen ein gelegentliches Stück Kuchen oder einen Riegel Schokolade ist nichts einzuwenden, sofern sie in der Kalorien- und Kohlenhydratbilanz entsprechend berücksichtigt werden", sagt AOK-Arzt Schmidt.

Sehr belastend für eine Beziehung sind sexuelle Störungen, die in Folge der Zuckerkrankheit auftreten können. So leiden viele Männer im Verlauf der Erkrankung unter Potenzproblemen und Erektionsstörungen. Gründe dafür sind Durchblutungsstörungen und diabetesbedingte Nervenschäden. Wichtig ist es dann, dass sich die Partner bewusst machen, dass die Erkrankung die Ursache ist und nicht ein Problem in der Partnerschaft. "Sprechen Sie mit Ihrer Partnerin über Ihre Probleme und bitten Sie einen Diabetologen oder Urologen um Hilfe", empfiehlt Schmidt.

Abhilfe können beispielsweise Medikamente und Hilfsmittel schaffen. Zudem können eine bessere Einstellung der Blutzuckerwerte, regelmäßige Bewegung und der Abbau von Übergewicht die Potenz verbessern oder eine Verschlimmerung der Probleme verhindern. Diabetikerinnen, die im Verlauf der Erkrankung unter sexueller Lustlosigkeit leiden, sollten ebenfalls mit ihrem Partner sprechen, zum Arzt gehen und auf eine möglichst gute Blutzuckereinstellung achten. Stecken hinter den sexuellen Problemen seelische Ursachen, Partnerschaftskonflikte oder Depressionen, empfiehlt es sich, einen Psychotherapeuten aufzusuchen.

AOK-Programm für Diabetiker

Hilfe beim Umgang mit ihrer Erkrankung erhalten Diabetespatienten auch in den sogenannten Disease-Management-Programmen der AOK. Unter dem Titel "AOK-Curaplan" bietet die Gesundheitskasse solche strukturierten Programme für Typ-1- und Typ-2-Diabetiker an. Darin koordiniert der behandelnde Arzt die Behandlung in enger Zusammenarbeit mit Fachärzten. Zudem erfahren die Patienten in Schulungen, was sie selbst tun können, um gut mit ihrer Erkrankung zurechtzukommen. Ziel ist es, diabetesbedingten Folgeschäden vorzubeugen.

Die AOK beteiligt sich auch an der zentralen Veranstaltung zum Welt-Diabetestag am 14. November 2009 im "Hotel Berlin, Berlin", Lützowplatz 17, in der Bundeshauptstadt. Dort informieren Experten Interessierte über die Programme AOK-Curaplan und über die Fußkontrolle zur Vorbeugung des sogenannten Diabetischen Fußes.

Weitere Informationen
Quelle: AOK-Bundesverband
Foto: ©Konstantin Gastmann / www.pixelio.de

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