Willkommen > Adipositas > Es ist Zeit, die Fettleibigkeit bei Kindern anzugehen
Da die Fettleibigkeits- und Übergewichtsrate bei europäischen Kindern zunehmend ansteigt, besteht die generelle Übereinkunft, dass vorbeugende Aktionen dringend nötig sind. Es wird jedoch immer noch viel darüber diskutiert, wann und wie eine Intervention eingesetzt und welche konkreten Maßnahmen genutzt werden sollen. Einige Überlegungen sind im Folgenden aufgeführt.Die Botschaft
Es gibt drei Hauptfaktoren, die Fettleibigkeit bei Kindern begünstigen oder nicht: die Ernährungsweise, der Grad der körperlichen Aktivität und der Grad des sitzenden Tätigkeiten – insbesondere die Stunden, die mit Fernsehen und mit Computerspielen verbracht werden. Präventionsprogramme können eine einfache Botschaft liefern und sich auf ein Gebiet konzentrieren, wie zum Beispiel die Ernährungsweise zu verbessern, die Fernsehzeit zu senken oder eine beliebige Kombination aus Botschaften zur Ernährungsweise, zum sitzenden sowie Aktivitätsverhalten einschließen.
Maßschneidern der Botschaft
Abgesehen von den eigentlichen Botschaften kann es erforderlich sein, das Programm so anzulegen, dass es an das jeweils involvierte Kinder angepasst ist. Zum Beispiel könnte es nötig sein, dass die angebotenen Sportarten und Aktivitäten zwischen Jungen und Mädchen variieren. Das Alter der Kinder wird ebenfalls bestimmen, was möglich und annehmbar ist – viele Dinge ändern sich zwischen der Grundschule und der weiterführenden Schule, nicht zuletzt der Zugang zu Sportanlagen und das Verpflegungssystem in der Schule (im Stil einer Kantine, in der Kinder zwischen verschiedenen Essen wählen oder in der es ein festgesetztes Essen ohne Wahlmöglichkeiten gibt). Auch die soziale Herkunft und ethnische Unterschiede in der Ernährungsweise und im Verhalten sollten berücksichtigt werden. Kinder, die bereits übergewichtig oder fettleibig sind, benötigen möglicherweise spezielle Hilfe.
Abstimmung
Eine weitere entscheidende Überlegung ist, wo die Intervention stattfinden soll und wer eingebunden wird. Schulen sind ein einleuchtender Ansatzpunkt, da sie Zugang zu vielen Kindern haben und das Potenzial, eine gesunde Verhaltensweise zu fördern. Zudem sind Schulen ein idealer Überbringer für ein gesundheitsförderndes Programm. Aber der schulbasierte Ansatz kann ins Wanken geraten, wenn die Unterstützung in der Familie oder im weiteren Umfeld fehlt. Daher sollten auch Eltern und Geschwister in die Aktivitäten einbezogen werden, etwa durch „Aktionstage“ oder andere spezielle Veranstaltungen, so dass auch Kontinuität zu Hause gewährleistet ist. Ein noch größerer Schritt wäre es, die gesamte kommunale Ebene einzubeziehen inklusive denjenigen Personen, die in Sportzentren eingebunden sind, kommunalen Behörden und den Lebensmittellieferanten (Nahrungsmittelindustrie, Gastronome, Einzelhändler).
Nachhaltigkeit
Jedes Programm, das etwas nützen soll, muss langfristig durchführbar sein. Das bedeutet, dass jede Infrastruktur, die eingerichtet wird, mit annehmbaren Zusatzkosten und akzeptablem Zusatzaufwand aufrecht erhalten werden kann. Veränderungen in der Schulkantine können zum Beispiel relativ einfach weitergeführt werden, wenn sie von der Schule und dem Kantinenpersonal akzeptiert werden. Auf der anderen Seite könnte ein Programm, das viele zusätzliche Mitarbeiter oder den Input von Spezialisten benötigt, auf lange Sicht teuer und unpraktikabel sein.
Nachteilige Auswirkungen beachten
Im Idealfall werden derartige Interventionen das Selbstbild der Kinder stärken und sie motivieren, einen gesunden Lebensstil einzuhalten. Zudem kann es ihnen helfen, das für ihre Körpergröße angemessene Gewicht zu erreichen und bis ins Erwachsenenalter aufrechtzuerhalten. Jedoch ist es wichtig zu überlegen, ob ein Eingreifen auch nachteilige Wirkungen auf die psychische und physische Gesundheit der Kinder haben könnte. Es sollte zum Beispiel nicht dazu führen, dass normalgewichtige Kinder Gewicht verlieren, keinen unerwarteten Anstieg der Fettleibigkeit auslösen oder bei Kindern, die bereits übergewichtig oder fettleibig sind, jegliche bestehende Selbstwertprobleme verschlimmern.
Der Weg voran
Wie zuvor gezeigt, sind die möglichen Szenarien für die Ausgestaltung eines Präventionsprogramms für Übergewicht umfassend – aber wissen wir, was funktioniert? Einige Interventionsstudien, die verschiedene Botschaften, Ansätze und soziale Situationen genutzt haben, sind bereits durchgeführt worden. Jetzt ist es Zeit auszuwerten, was wir aus diesen frühen Studien gelernt haben und wie es weiter gehen soll. Jüngste Rückblicke auf schulbasierte Interventionen haben den Prozess in Gang gesetzt und in den kommenden Ausgaben von Food Today werden wir im Rahmen einer Artikelserie einige der Erfolgsgeschichten betrachten – was sie erreicht, warum sie funktioniert haben inklusive ihrer Empfehlungen für zukünftige Aktionen.
Literaturhinweise
- Doak CM, Visscher TLS, Renders CM & Seidell JC (2006) The prevention of overweight and obesity in children and adolescents: a review of interventions and programmes. Obesity Reviews 7: 111-136
- Flynn MA, McNeil DA, Maloff B, Mutasingwa D, Wu M, Ford C, Tough SC (2006) Reducing obesity and related chronic disease risk in children and youth: a synthesis of evidence with “best practice” recommendations. Obesity Reviews 7 Suppl 1:7-66
Bildquelle: www.eufic.org
Veröffentlicht am:
13:10:33 26.03.2008 von Claus Kühr
Letzte Aktualisierung
13:10:33 26.03.2008