Willkommen > Adipositas > Zusammenhang zwischen intensiver körperlicher Aktivität und gesundem Gewicht

Gesundheitszustand und Lebensführung stehen unter dem Einfluss körperlicher Aktivität, die für jeden Menschen zur täglichen Routine gehören sollte. Angesichts der Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit und der damit verbundenen Gesundheitsprobleme ist körperliche Aktivität heute wichtiger denn je.
Es ist bekannt, dass Häufigkeit und Art der körperlichen Aktivität eines Menschen eine entscheidende Rolle für dessen Gesundheit und Körpergewicht spielen. Übermässiges Körperfett schadet der Gesundheit, da es Gelenke und umgebendes Gewebe belastet und das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen (wie Darm-, Brust- und Nierenkrebs) sowie für Diabetes und Herzleiden erhöht. Somit trägt regelmässige körperliche Aktivität nicht nur zur Aufrechterhaltung eines normalen Körpergewichts und zu gesunden Knochen und Gelenken bei, sondern verringert auch die Gefahr der Entwicklung von chronischen Erkrankungen.
Gesundes Körpergewicht
Basierend auf dem sogenannten Body Mass Index (BMI) unterscheidet man beim Körpergewicht zwischen untergewichtig, normalgewichtig, übergewichtig und fettleibig (adipös). Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht (kg) dividiert durch das Quadrat der Körpergrösse (m2). So hat zum Beispiel eine Person, die 1,82 m gross ist und 75 kg wiegt, einen BMI von 75:(1,82)2 = 22,64 kg/m2.
Anhand folgender Tabelle lässt sich die Person dann einer bestimmten Gewichtskategorie zuordnen:
| BMI | Klassifikation |
| < 18.5 | Untergewichtig |
| 18.5 – 24.9 | Normal |
| 25 – 29.9 | Übergewichtig |
| 30+ | Fettleibig |
Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist allerdings die Tatsache, dass der BMI nicht berücksichtigt, welchen Anteil Muskeln bzw. Fett am individuellen Körpergewicht ausmachen. Somit könnte eine sportliche Person mit grosser Muskelmasse tatsächlich in die Kategorie „fettleibig” fallen, obwohl das erhöhte Körpergewicht ausschliesslich auf die Menge an Muskeln und nicht auf grosse Fettpolster zurückzuführen ist. Aus diesem Grund neigen Forscher heute dazu, das Körperfett anstelle des Gesamtgewichts als Indikator für den Gesundheitszustand und das Krankheitsrisiko eines Menschen heranzuziehen. Daher sollte die BMI-Klassifikation durch die Messung des Taillenumfangs ergänzt werden, der Aufschluss über die Ansammlung von Fettgewebe im Bauchraum (Abdomen) gibt. Dieses abdominale Fett wird mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht. Je grösser die Fettmenge im Bauchraum, desto höher ist das Risiko für Diabetes Typ II, Bluthochdruck (Hypertonie) und koronare Herzkrankheit. Bei einem gesunden Mann sollte der Bauchumfang maximal 102 cm, bei der gesunden Frau höchstens 80 cm betragen.
Fettgewebe und körperliche Aktivität
Fettgewebe besteht aus Fettzellen. Aufgrund hormoneller Einflüsse reichert sich Fett beim Mann eher um den Bauch herum an, während Frauen Fettpolster meist in einer dünneren Schicht unter der Körperhaut sowie an Hüften und Oberschenkeln ansetzen. Je mehr übermässiges Fettgewebe eingelagert wird, insbesondere um die Taille, desto höher ist das Risiko für diverse Gesundheitsprobleme.
Das Mass der körperlichen Aktivität (Physical Activity Level, PAL) eines Menschen ergibt sich aus dem Verhältnis des Gesamtenergieverbrauchs während eines Tages zur Energie, die der Körper während 24 Stunden im Ruhezustand verbraucht. Kurz gesagt, je aktiver eine Person ist, desto höher ist ihr PAL-Wert. Ein niedriger PAL liegt unter 1,49, ein mittlerer PAL bei etwa 1,5 und ein hoher PAL über 1,9.
Intensive körperliche Aktivität steht eindeutig mit stabilem Körpergewicht in Zusammenhang.1,2 Unter intensiver körperlicher Aktivität versteht man jede Art von körperlicher Betätigung, bei der Herz- und Atemfrequenz steigen („ausser Atem kommen“) und die eine beträchtliche Anstrengung erfordert. Beispiele für solche sportlichen Aktivitäten sind: Laufen, rasches Radfahren, Aerobic und Mannschaftssportarten wie Fussball, Hockey oder Volleyball.
Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen haben gezeigt, dass Heranwachsende, die relativ viel Sport treiben, geringere Mengen an Körperfett haben als inaktive Jugendliche.3,4 Eine andere Studie hat nachgewiesen, dass europäische Kinder im Alter von 9-10 Jahren, die täglich mehr als 40 Minuten intensiv körperlich aktiv waren, weniger Körperfett aufwiesen als Kinder gleichen Alters, die sich nur 10-18 Minuten täglich sportlich betätigten.2
Wie aus Studien hervorgeht, ist ein PAL von etwa 1,8 erforderlich, um Gewichtszunahmen zu minimieren.1 Dieser PAL von 1,8 ergibt sich aus moderaten Aktivitäten wie Arbeiten im Stehen oder Gehen, wie dies z.B. bei Hausfrauen, Verkaufspersonal, Kellnern, Mechanikern oder Kaufleuten der Fall ist.5,6 Setzt man dies in Relation zu den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO), die 30-minütige körperliche Aktivität an fast allen Tagen der Woche empfiehlt, so müssten die meisten Menschen täglich etwas Sport in ihr Tagesprogramm einplanen. Wer sich intensiv bewegt, hat einen höheren PAL, da er mehr Energie verbraucht.
Bei Personen mit niedrigem oder mittlerem PAL hat sich hingegen gezeigt, dass bei Frauen wie Männern ein signifikanter Zusammenhang mit einer Erhöhung der Körperfettmenge bestand. Daraus könnte man schliessen, dass ein Mensch unter Umständen täglich 60-90 Minuten flott gehen oder eine vergleichbar intensive Aktivität ausüben müsste, um ausreichend Energie zu verbrauchen und damit sein Gewicht stabil zu halten.1 Obwohl die Energiebilanz natürlich auch durch geringere Energiezufuhr ausgeglichen werden kann, bringt reduzierte Kalorienaufnahme nicht die gesundheitlichen Vorteile, durch die sich körperliche Aktivität auszeichnet.
Zusammenfassung
Um Ihr Körperfett zu reduzieren und in den Genuss der gesundheitlichen Vorteile regelmässiger körperlicher Aktivität zu kommen, sollten Sie sportliche Betätigung zu einem Teil Ihres Alltags machen. Die WHO empfiehlt zur Reduzierung des Gesundheitsrisikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Dickdarm- bzw. Brustkrebs eine moderat intensive körperliche Aktivität von mindestens 30 Minuten an den meisten Tagen der Woche.7 Um das Körpergewicht zu reduzieren bzw. zu halten, kann noch mehr Bewegung erforderlich sein.
Um das Verständnis für die Bedeutung von Energiezufuhr und Energieverbrauch zu fördern, hat EUFIC auf seiner Website den neuen Bereich „Energy balance“ eingerichtet. Hier erfahren Sie alles über Ihren persönlichen Energiebedarf und körperliche Aktivität.
http://www.eufic.org/page/de/page/energy-balance/
Literatur
- Erlichman J, Kerbey AL, James WP. (2002). Physical activity and its impact on health outcomes. Paper 2: Prevention of unhealthy weight gain and obesity by physical activity: an analysis of the evidence. Obesity Reviews 3:273-287.
- Ruiz JR, Rizzo NS, Hurtig-Wennlöf A, Ortega FB, Wärnberg J, Sjöström M. (2006). Relations of total physical activity and intensity to fitness and fatness in children: the European Heart Health Study. American Journal of Clinical Nutrition 84(2):299-303.
- Ekelund U, Sardinha LB, Anderssen SA, Harro M, Franks PW, Brage S, Cooper AR, Andersen LB, Riddoch C, Froberg K. (2004). Associations between objectively assessed physical activity and indicators of body fatness in 9- to 10-y-old European children: a population-based study from 4 distinct regions in Europe (the European Youth Heart Study). American Journal of Clinical Nutrition 81(6):1449-50.
- Relations of total physical activity and intensity to fitness and fatness in children: American Journal of Clinical Nutrition 81(4):746-50.
- Black AE, Coward WA, Cole TJ, Prentice AM. (1996) Human energy expenditure in affluent societies: an analysis of 575 doubly-labelled water measurements. American Journal of Clinical Nutrition 50(72):-92-303.
- German Nutrition Society, Austrian Nutrition Society, Swiss Society for Nutrition Research, Swiss Nutrition Association. (2002) Reference values for nutrient intake. Frankfurt/Main: Umschau/Braus: German Nutrition Society.
- http://www.who.int/dietphysicalactivity/pa/en/index.html
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