Willkommen > Herz- Kreislauf > Besser spät als nie: So gesund ist Sport ab 50

Studie zeigt auf: Wer erst mit 50 Jahren Sport treibt, hat gute Chancen auf ein genauso langes Leben wie jemand, der bereits früher körperlich aktiv ist. Professor Halle: „Menschen werden nicht krank, weil sie älter geworden sind, sondern weil sie sich nicht genug bewegen.“

Foto: ©DGPR / Professor Martin HalleNun ist Schluss mit Ausreden: Männer, die erst im Alter von 50 Jahren mit Ausdauersport beginnen und diesen fünf bis zehn Jahre regelmäßig betreiben, haben die gleiche Lebenserwartung wie lebenslang aktive Männer. Das hat eine Langzeitstudie der schwedischen Universität von Uppsala ergeben, die das British Medical Journal jüngst veröffentlicht hat. Seit 1970 hatten die Wissenschaftler 2205 damals 50 Jahre alte Männer und ihr Bewegungsverhalten in regelmäßigen Abständen untersucht. „Ich bin mir sicher, dass die Studienergebnisse viele ältere Menschen zu mehr Bewegung motivieren werden“, sagt Professor Martin Halle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e. V. und Ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München. „Etwa 50 Prozent der Männer im mittleren Lebensabschnitt treiben überhaupt keinen Sport. Der Frage, warum sie auf ihre alten Tage noch mit Sport anfangen sollen, können wir Ärzte nun Fakten entgegensetzen.“ Wir haben den Präventivmediziner zur Studie befragt.
  • Es ist nie zu spät, um sportlich aktiv zu werden – heißt es in der schwedischen Studie. Aber auch: Späte Sportlichkeit hat den gleichen Effekt wie lebenslanges Training.Heißt das, faule junge Menschen können sich zurücklehnen und brauchen erst ab 50 aktiv zu werden?
Professor Martin Halle: „Es geht doch darum, wie viel Lebensqualität man genießt beziehungsweise genießen möchte. Als Präventionsmediziner spreche ich gerne vom „biologischen Alter“: Neben den Genen entscheidet der persönliche Lebensstil, wie schnell ein Mensch altert. Um Körper und Geist langfristig jung und leistungsfähig zu halten, ist es wichtig, regelmäßig Sport zu treiben. Denn Menschen werden nicht deshalb krank, weil sie älter geworden sind, sondern weil sie sich nicht genug bewegen. Körperliche Aktivität kräftigt den gesamten Organismus. Im Besonderen Ausdauersportarten wirken sich positiv auf die Durchblutung der Organe aus, sie stärken das Herz und senken erhöhten Blutdruck. Wer sich regelmäßig bewegt, reguliert quasi nebenbei seine Blutfett- und Zuckerwerte, kräftigt seine Muskulatur und beugt damit Rückenbeschwerden vor. Sport erhöht außerdem die Knochendichte und hilft Übergewicht abzubauen. Je früher man mit Sport beginnt, umso besser. Darüber hinaus sollte man sich gesund ernähren, nicht rauchen und ausreichend schlafen.“
  • Wer zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr seine sportliche Aktivität erhöhte, halbierte das Sterblichkeitsrisiko jenseits des 60. Lebensjahres – egal, ob er aus der Gruppe der Couch-Potatoes oder der mäßig Aktiven aufstieg. Wie sieht der richtige Einstieg aus für ältere Menschen, die ihre Freizeit bislang bewegungsarm verbracht haben?
Professor Halle: „Vorneweg: Dieses Ergebnis bestärkt uns in der Prävention. Es ist enorm wichtig, auch älteren Männern einen aktiven Lebensstil zu empfehlen. Um herauszufinden, ob man sporttauglich und leistungsfähig ist, sollte man als erstes einen Gesundheitscheck beim Arzt durchführen lassen. Geeignete Ausdauersportarten für Einsteiger sind Walking, Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren, Joggen und Tanzen. Sie stärken Herz und Kreislauf. Aber auch Muskelkraft und Koordination profitieren von der Bewegung und bieten Schutz vor Stürzen. Ganz entscheidend ist aber, dass zu Beginn der sportlichen Betätigung nicht übertrieben wird. Langsame Steigerungen helfen dem Körper, sich an die neue Belastung zu gewöhnen. Anfangs reichen drei Mal wöchentlich 15 bis 30 Minuten. Langfristig sollte man sich auf drei bis fünf Mal wöchentlich eine Stunde steigern.“
  • Hilft nur Ausdauersport oder kann ich auch mit Krafttraining gesund alt werden?
Professor Halle: „Ein gutes Anti Aging-Mittel ist die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Dies hat eine weitere Studie aus Kanada gerade eindrucksvoll gezeigt. Über 60-Jährige konnten ihre körperliche Fitness innerhalb von sechs Monaten um 30 Prozent steigern, wenn sie drei bis fünf Mal pro Woche 30 Minuten Ausdauersport betrieben. Kam noch ein moderates Krafttraining einmal pro Woche hinzu, reduzierten sich sowohl das Auftreten von Diabetes mellitus, als auch weitere Fettstoffwechselstörungen und erhöhter Blutdruck.“
  • Oft heißt es, ich habe keine Zeit für Sport. Kann ich meinem Körper auch mit kurzen Sporteinheiten Gutes tun?
Professor Halle: „Es ist besser, nur kurz Sport zu treiben als gar nicht. Wie wir inzwischen wissen, regt auch ein zehnminütiges, tägliches Training auf dem Heimtrainer oder Laufband bereits den Stoffwechsel an. Damit wird Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vorgebeugt, da der körpereigene Stoffwechsel den Blutzuckerspiegel dann besser regeln kann.“
  • Worauf sollten ältere Menschen beim Training achten?
Professor Halle: „Die älteren Sportler sollten sich nicht überschätzen. Sie sind nicht mehr so leistungsfähig wie 30-Jährige, die neu mit Sport beginnen. Schnellkraft und Sprintfähigkeit lassen nach. Da sich die Muskeln weniger gut dehnen, treten Zerrungen leichter auf als früher. Und nach einer Verletzung dauert es meist etwas länger, bis der ältere Sportler wieder fit ist. Weniger ist für Einsteiger oft mehr.“
  • Wie sieht es aus, wenn Menschen bereits einen Herzinfarkt hatten? Wie nehmen Sie ihnen die Angst vor Sport?
Professor Halle: „Herzinfarktpatienten befürchten meist Kurzatmigkeit und Herzklopfen. Aber: Je früher man nach einem Herzinfarkt mit Bewegung beginnt, umso besser. Die Zeiten, in denen empfohlen wurde, sich nach einem Infarkt zu schonen, sind vorbei. Sport ist ein wichtiger Bestandteil medizinischer Rehabilitation. Schon in den ersten Tagen nach dem Infarkt sollten Patienten mit Krankengymnastik beginnen. Denn körperliche Aktivität bringt den Kreislauf wieder in Schwung und beugt weiteren Gefäßverschlüssen vor. Nach einigen Wochen können sie mit einem leichten Herz-Kreislauftraining starten. Geeignete Sportarten sind Walking, Radfahren oder Schwimmen. Idealer Weise erarbeitet der Arzt gemeinsam mit dem Patienten ein individuelles Trainingsprogramm.“ 

Quelle: Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e. V.
Foto: ©DGPR / Professor Martin Halle

Veröffentlicht am:
08:35:47 12.06.2009 von AP Redaktion

Letzte Aktualisierung
08:35:47 12.06.2009