Willkommen > Gesunde Ernährung > Probiotika – Lebensmittel mit begrenzter Wirkung

Inzwischen findet man sie in fast jedem Kühlschrank: sogenannten probiotischen Joghurt, Quark, Käse, Wurst und Babynahrung. Die Hersteller werben damit, dass diese Produkte das Gleichgewicht der Darmflora verbessern, Durchfallerkrankungen verhindern, den Milchzuckerabbau fördern und das Immunsystem stärken. "Von den positiven Eigenschaften, die probiotischen Nahrungsmitteln zugeschrieben werden, sind mittlerweile einige gut belegt. Andere sind jedoch noch nicht endgültig erforscht und werden bislang nur vermutet. Herkömmliche Sauermilchprodukte wie Joghurt, Dickmilch, Kefir und Buttermilch haben ebenfalls eine positive Wirkung auf die Gesundheit und sind meist kostengünstiger", sagt Brigitte Fischer, Ernährungswissenschaftlerin der AOK.

"Probiotisch" ist ein aus dem Griechischen abgeleitetes Kunstwort aus "pro" und "bios", das übersetzt "für das Leben" bedeutet. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind Probiotika lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Darm gelangen und dadurch positive gesundheitliche Wirkungen erzielen. Nahrungsmittel, die mit diesen Bakterien hergestellt sind, nennt man probiotische Lebensmittel. Am häufigsten werden Probiotika Milchprodukten zugefügt. Daneben bieten die Herstelller probiotische Säuglingsnahrung, Fruchtsäfte, Müsli und Salami an.

Robuste Milchsäurebakterien

Rund 400 verschiedene Mikroorganismen kommen in der Darmflora vor. Als Probiotika werden besonders robuste Milchsäurebakterien der Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium eingesetzt. Damit die Mikroorganismen ihre positiven Wirkungen entfalten können, müssen sie besonders widerstandsfähig gegen Magensäure, Gallensäuren und Verdauungsenzyme sein und so größtenteils lebend in den Darm gelangen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie sich vorübergehend im Dickdarm ansiedeln können. Andere Joghurtbakterien werden zum größten Teil im Magen und Dünndarm abgetötet. Im Darm angekommen, sollen probiotische Milchsäurebakterien die günstigen Bakterienarten der Darmflora unterstützen und gleichzeitig Krankheitserreger unterdrücken.

Probiotische Mikroorganismen haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Empfehlenswert ist es deshalb, das Mindesthaltbarkeitsdatums zu beachten. "Kaufen Sie probiotische Produkte lediglich in kleinen Mengen und verzehren Sie sie bald nach dem Einkauf", empfiehlt Ernährungsexpertin Fischer. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verringert sich die Keimzahl deutlich. Zudem ist es sinnvoll, sich die Packungen der probiotischen Produkte genauer anzusehen: Wenn lediglich der Zusatz "probiotisch" draufsteht, aber keine Wirkung und kein Bakterienstamm genannt wird, ist ein Zusatzeffekt eher zweifelhaft.

Verlässliche Angaben über die Wirkungen der probiotischen Milchsäurebakterien im Darm zu machen ist schwierig, da die Vorgänge dort nicht direkt untersucht werden können. Außerdem wirken die Produkte bei jedem Einzelnen verschieden, weil die Darmflora individuell zusammengesetzt ist. Nachgewiesen ist jedoch, dass Probiotika den Abbau von Milchzucker (Laktose) fördern. "Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit vertragen herkömmliche Sauermilchprodukte allerdings oft besser als probiotische", sagt Fischer.

Probiotika können Durchfallerkrankungen abschwächen

Erwiesen ist auch, dass die Gabe der Mikroorganismen helfen kann, Durchfallerkrankungen zu verhindern oder zumindest abzuschwächen – zum Beispiel Durchfälle, die durch die Einnahme von Antibiotika verursacht werden können. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung haben klinische Studien zudem gezeigt, dass Kleinkinder der Verzehr probiotischer Milchsäurebakterien vor Darminfekten schützt.

Der Verzehr von Probiotika kann also sinnvoll sein, wenn die Darmflora durch eine Infektion oder durch die Einnahme von Antibiotika gestört ist, so die Ernährungsexpertin. Säuglinge können die speziellen Milchsäurebakterien vermutlich vor Allergien und Kleinkinder vor Infektionskrankheiten schützen. Dass Probiotika das Immunsystem stärken, konnte in klinischen Studien dagegen bisher nicht generell belegt werden.

"Probiotika können außerdem nur dann günstig wirken, wenn die Ernährung insgesamt vollwertig ist", sagt Fischer. Zudem sollten die Produkte jeden Tag verzehrt werden, um wirken zu können. "Genauso gut für die Gesundheit ist es, täglich fettarme gesäuerte Milchprodukte wie Joghurt und Dickmilch zu essen oder Buttermilch zu trinken", sagt die Ernährungsexpertin.

Mehr Infos zu gesunder Ernährung im Versichertenportal der AOK

Quelle: AOK-Bundesverband

Veröffentlicht am:
08:24:08 23.06.2009 von AP Redaktion

Letzte Aktualisierung
08:24:08 23.06.2009