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Wenn Alterszucker zur Kinderkrankheit wird

Altersdiabetes ist mittlerweile keine Frage des Alters mehr: Während früher meist nur Menschen über 40 an Diabetes mellitus Typ 2 – dem so genannten Alterszucker – erkrankten, sind inzwischen sogar schon Schulkinder betroffen. Experten schätzen, dass in Deutschland inzwischen etwa 5.000 Kinder und Jugendliche an Typ-2-Diabetes leiden. Doch die Krankheit hat weniger mit den Lebensjahren zu tun, als vielmehr mit dem Lebensstil: Hauptrisikofaktoren sind Übergewicht und Bewegungsmangel, und die machen auch vor der Jugend nicht halt. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) bewegt sich mehr als jedes dritte Kind weniger als eine halbe Stunde täglich – Schulsport inbegriffen. Und jedes zehnte Kind ist laut der Umfrage zu dick.

Dr. Peter Düker / Foto: ©TK „Die Mehrzahl der Typ-2-Diabetes-Erkrankungen geht auf den Wohlstand zurück. Erwachsene wie Kinder essen zu viel und zu fettreich und bewegen sich zu wenig. Deshalb steigt mit zunehmendem Übergewicht auch die Anzahl der Diabetiker – und das in jeder Altersgruppe“, sagt Dr. Peter Düker, Arzt bei der TK. Oft ist schon bei Kindern die Regulation des Blutzuckers gestört. Der Mediziner kennt den Grund: „Durch Übergewicht und Bewegungsmangel wird häufig eine so genannte Insulinresistenz ausgelöst. Darunter versteht man ein vermindertes Ansprechen der Körperzellen auf Insulin. In diesem Fall wird immer mehr Insulin produziert, ohne dass der Blutzuckerspiegel ausreichend sinkt.“

Neben dem Übergewicht spielen auch die Erbanlagen eine gewisse Rolle. Die Veranlagung für eine herabgesetzte Insulinwirkung kann auch vererbt werden. Deshalb sollten – unabhängig vom Alter – Risikopersonen mit Übergewicht und solche, bei denen bereits in der Familie Diabetes vorliegt, regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel messen lassen.

Typ-2-Diabetes fällt bei Kindern wie Erwachsenen anfangs kaum auf. Er beginnt schleichend und bleibt oft über Jahre unbemerkt, weil die Betroffenen von ihrem erhöhten Blutzuckerspiegel nichts spüren. "Sie sind krank und merken es häufig nicht. Das macht den Diabetes so gefährlich", erklärt der TK-Mediziner. Wenn der Diabetes erkannt wird, hat er in einigen Fällen schon negative Spuren im Körper hinterlassen. „Geschädigt werden in erster Linie die Gefäße und Organe wie das Herz oder die Leber“, so Düker. Die typischen Folgen sind für Kinder wie Erwachsene gleich: Erkrankungen der Augen und der Nieren oder Schädigungen der Nerven. “Wer schon in jungen Jahren an Diabetes Typ 2 erkrankt, muss auch entsprechend früh mit den gefürchteten Komplikationen rechnen“, gibt der Mediziner zu bedenken.

Zuckerkranke können ein weitgehend normales Leben führen, wenn sie gezielt behandelt werden und ihre Lebensweise dauerhaft umstellen. Je früher die Therapie einsetzt, desto geringer ist das Risiko für Folgeerkrankungen. Experten gehen davon aus, dass etwa jeder zweite neu diagnostizierte Diabetiker seine Stoffwechselstörung sogar ohne Medikamente in den Griff bekommen kann, indem er seinen Lebensstil ändert. Düker: "Wichtig bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist vor allem, dass es ihnen gelingt, ihr Übergewicht zu reduzieren und ein normales Gewicht zu halten. Ein erhöhter Körperfettanteil fördert die Insulinresistenz und damit die Zuckerkrankheit.“ Am erfolgreichsten ist, wer seine Ernährung langfristig umstellt und zusätzlich auf Sport und Bewegung im Alltag setzt. Gerade bei jugendlichen Diabetikern ist die Unterstützung der ganzen Familie daher unerlässlich.

Aber das Beste ist natürlich, wenn sich erst gar kein Diabetes entwickelt. Das größte Problem sei hierbei die Macht der Gewohnheit: Wer sich als Kind nicht bewegt, treibt in der Regel auch als Erwachsener keinen Sport, und wer sich früh an Pommes und Burger gewöhnt, wird später kaum mehr zum Liebhaber von Salat, Gemüse und Fisch. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder von klein auf an einen gesunden Lebensstil herangeführt werden, denn aus übergewichtigen Jugendlichen werden in der Regel auch dicke Erwachsene.

Familien, denen die Ernährungsumstellung allein schwer fällt, hilft die TK mit dem Gesundheitswochenende „Familienbande“. Dort lernen Familien in Teamarbeit und mit viel Spaß, gesundes Essen und genügend Bewegung im stressigen Alltag nicht zu vernachlässigen. Der Seminarablauf ist speziell auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten. Die Teilnehmer erhalten ausführliche Informationen über gesundheitsbewusste Ernährung, bereiten gemeinsam leckere, gesunde Mahlzeiten zu und bekommen Tipps zur Umsetzung im Alltag. Nähere Informationen hierzu finden sie im Internet unter www.tk-online.de und dem Stichwort „Familienbande“.

Hat sich bereits ein Diabetes eingestellt, unterstützt die TK Diabetiker mit dem speziellen Programm "TK-Plus". Bei dem umfassenden Behandlungskonzept arbeitet der Patient eng mit seinem Arzt, der Klinik und anderen Therapieeinrichtungen zusammen. Darüber hinaus hilft der Erinnerungs-Service, an wichtige Termine wie Augenarztuntersuchungen zu denken. In Schulungen lernen die Patienten außerdem, wie sie ihre Ernährung nachhaltig umstellen können.

Quelle: Techniker Krankenkasse
Foto: ©TK / Dr. Peter Düker

Veröffentlicht am:
08:30:07 19.04.2010 von AP Redaktion

Letzte Aktualisierung
08:30:07 19.04.2010

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